Entwicklungspsychologen schlagen Alarm: Diese eine Gewohnheit vieler Großmütter macht Enkelkinder unfähig, als Erwachsene zu funktionieren

Wenn eine Großmutter bei jedem Schulausflug mitfährt, bei jedem Streit zwischen Freunden sofort eingreift und ihrem Enkelkind nicht erlaubt, auch nur eine Stunde allein in der Stadt zu verbringen – dann ist das keine Liebe mehr, die befreit. Es ist eine Liebe, die einengt. Und das, obwohl die Absicht dahinter die reinste der Welt ist.

Überbehütung durch Großeltern: Was wirklich dahintersteckt

Psychologen sprechen in solchen Fällen von Helikopter-Großeltern – ein Begriff, der ursprünglich für Eltern geprägt wurde, sich aber zunehmend auch auf Großeltern anwenden lässt, die eine aktive Betreuungsrolle übernehmen. Der Unterschied zur elterlichen Überbehütung liegt oft in der Intensität der emotionalen Bindung: Großeltern, die viel Zeit mit ihren Enkeln verbracht haben, entwickeln manchmal ein Schutzbedürfnis, das sich mit dem Alter des Kindes nicht automatisch abschwächt.

Was viele nicht wissen: Überbehütung ist selten ein Zeichen von Schwäche oder mangelndem Vertrauen in das Kind. Sie entsteht häufig aus eigenen unverarbeiteten Ängsten – aus Erlebnissen, die die Großmutter selbst gemacht hat, aus einem tiefen Verantwortungsgefühl oder auch aus der unbewussten Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, sobald der Enkel selbstständig wird.

Was Jugendliche wirklich brauchen – und was ihnen fehlt

Die Entwicklungspsychologie ist in diesem Punkt eindeutig: Jugendliche brauchen kontrollierte Risiken, um Resilienz aufzubauen. Wer nie scheitern darf, lernt nicht, mit Scheitern umzugehen. Wer nie allein entscheiden darf, entwickelt kein Vertrauen in die eigenen Urteile. Das klingt hart – ist aber eine der robustesten Erkenntnisse der modernen Entwicklungsforschung.

Wenn eine Großmutter bei jedem Problem sofort einspringt, nimmt sie dem Jugendlichen nicht nur die Last – sie nimmt ihm auch die Erfahrung. Und genau diese Erfahrungen, auch die unangenehmen, sind es, die aus einem Teenager einen handlungsfähigen Erwachsenen machen.

Besonders folgenreich ist dabei das sogenannte erlernte Hilflosigkeit-Muster: Jugendliche, die chronisch vor Herausforderungen bewahrt werden, beginnen irgendwann, selbst nicht mehr an ihre Fähigkeiten zu glauben. Sie warten auf Eingriff von außen, weil sie es nicht anders kennen.

Das Gespräch suchen – aber wie?

Eltern, die dieses Muster bei der eigenen Mutter oder Schwiegermutter beobachten, stehen vor einer heiklen Aufgabe. Denn jede Kritik an der Großmutter kann schnell als Undankbarkeit oder Angriff auf ihre Liebe wirken. Und das ist das Letzte, was man in einer ohnehin sensiblen Familiendynamik gebrauchen kann.

Psychologisch gesehen funktioniert hier ein ressourcenorientierter Ansatz besser als direkte Kritik. Das bedeutet: nicht sagen, was die Großmutter falsch macht, sondern ansprechen, was sie dem Enkel ermöglichen könnte. Ein Satz wie „Du könntest ihm zeigen, dass du ihm vertraust, indem du ihn das selbst lösen lässt“ spricht die Stärke der Großmutter an – nicht ihre Schwäche.

  • Gespräche unter vier Augen führen, nie vor dem Enkel oder anderen Familienmitgliedern
  • Eigene Beobachtungen schildern, ohne zu bewerten: „Mir ist aufgefallen, dass…“ statt „Du machst immer…“
  • Konkrete kleine Schritte vorschlagen, keine generellen Verbote
  • Die emotionale Bedeutung der Großmutter-Enkel-Beziehung ausdrücklich anerkennen

Die Rolle der Eltern: Brücke statt Schiedsrichter

Ein häufiger Fehler ist es, das Thema zu einem Lager-gegen-Lager-Konflikt zu machen. Eltern, die sich gegen die Großmutter positionieren, riskieren nicht nur Familienstreit – sie setzen auch den Jugendlichen unter Druck, Partei ergreifen zu müssen. Das ist eine Bürde, die kein Teenager tragen sollte.

Die konstruktivere Rolle der Eltern ist die der Brücke: Sie können der Großmutter helfen zu verstehen, dass Loslassen keine Gleichgültigkeit ist. Gleichzeitig können sie dem Jugendlichen vermitteln, dass die Fürsorge der Großmutter aus einer tiefen Zuneigung kommt – auch wenn sie manchmal erdrückend wirkt.

Was formt Teenager mehr: Scheitern oder Beschütztwerden?
Scheitern macht stark
Schutz gibt Sicherheit
Beides in Balance
Kommt auf das Kind an

Wenn sich nichts ändert: Grenzen setzen ohne zu verletzen

Manchmal reichen Gespräche nicht. Wenn das Verhalten der Großmutter trotz mehrerer klarer, freundlicher Versuche unverändert bleibt, müssen Eltern strukturelle Grenzen setzen – etwa indem sie bestimmte Aktivitäten des Jugendlichen explizit als „elternfreie Zonen“ definieren, zu denen auch die Großmutter keinen Zutritt hat.

Das fühlt sich für alle Beteiligten zunächst unangenehm an. Aber Grenzen sind kein Liebesentzug – sie sind eine Form von Respekt, sowohl gegenüber dem Jugendlichen als auch gegenüber der Großmutter selbst. Denn auch sie verdient eine Beziehung zum Enkel, die nicht auf Kontrolle, sondern auf echtem Vertrauen basiert.

Eine Großmutter, die ihrem Enkel zutraut, allein nach Hause zu fahren, ist keine weniger liebende Großmutter. Sie ist eine, die ihm etwas mitgibt, das kein Umweg und keine Begleitung ersetzen kann: das Gefühl, es selbst geschafft zu haben.

Schreibe einen Kommentar